gritflytrin Pfälzerwald · Sandstein & Wege
Weiter Blick über das Kronendach des Pfälzerwaldes von einer Sandsteinplatte

Felsen über den Baumkronen

Über dem Pfälzerwald

Eine Aussicht hier ist eine Unterbrechung des Waldes, kein Gipfel über der Baumgrenze. Roter Stein im Vordergrund, ein endloses Kronendach, dahinter blaugraue Rücken. Die Platte liegt oft nur wenige Dutzend Meter über den höchsten Buchen.

Vier Platten, vier Uhrzeiten

Die Namen stehen für Typen von Aussicht im Wasgau, nicht für eine Rangliste. Höhen sind ungefähre Köpfe über dem Tal, Aufstiege die letzte steile Passage, nicht die ganze Tageswanderung.

Ort der Platte Höhe über Tal Aufstieg Aussicht Beste Tageszeit
Kante bei Dahn120–160 m25–40 Min.Türme und Wieslauter-Talspäter Vormittag
Teufelstisch-Raum, Hinterweidenthal80–120 m20–30 Min.Pilzfelsen, dahinter Waldkuppenfrüher Morgen
Grat bei Busenberg100–150 m30–45 Min.enge Türme, wenig SiedlungNachmittag
Randhöhe bei Annweiler180–250 m45–70 Min.langer Waldhorizont nach Süden und WestenAbendlicht

Was die Senkrechte mit dem Blick macht

Türme wie die Gruppen um Dahn werden aus dem Tal als schmale Zeichen gelesen. Auf der Platte kehrt sich das um: Man sieht nicht den Turm, man steht auf seinem Dach und blickt über andere Dächer aus Stein und Bäumen. Der Abstieg ist deshalb oft eindrücklicher als der Ausblick, weil die Wand erst beim Hinuntergehen ihre Höhe zurückgibt.

Viele dieser Köpfe sind klettertechnisch eigene Felsen mit geregelten Zonen. Der Leitfaden beschreibt das Gehen auf markierten Wegen bis zur offenen Platte, nicht das Klettern in den Rissen. Wer die Körnung verstehen will, bleibt bei der Oberfläche des Sandsteins.

  1. 01

    Erst der Wald, dann die Kante

    Der letzte Abschnitt ist kurz. Die Kondition entscheidet sich auf dem Zustieg durch den Hochwald, nicht auf den letzten Stufen.

  2. 02

    Wind auf der Platte einplanen

    Im Tal ist es windstill und feucht, oben zieht es. Eine dünne Schicht mehr gehört in den Rucksack, auch im Juni. Siehe Packliste.

  3. 03

    Nicht an die Abrisskante

    Die schöne Linie ist oft die brüchige. Der Blick bleibt vollständig, wenn man einen Schritt hinter der Kante bleibt. Das ist keine Warnfarbe, sondern Teil des Weges.

Die Platte ist kein Ziel für sich. Sie belohnt den Weg, der vorher im Schatten lag, und sie wird schnell unbequem, wenn Wind und Sonne gleichzeitig kommen. Eine halbe Stunde oben genügt, um den Wald als Fläche zu sehen. Danach führt derselbe Pfad zurück in die Stämme, und der Stein wird wieder zur Wand statt zum Boden.

Geschichten, die von einer Platte ausgehen

Der erste Fels am Morgen

Hinterweidenthal · Frühjahr · Morgen · 6 Min.

Nebel im Tal, der Pilzfelsen noch rosa-grau. Weiter im Lichtkapitel.

Über den Wäldern von Dahn

Dahn · Sommer · Nachmittag · 8 Min.

Mehrere Türme, ein Kronendach. Der Zusammenhang steht im Felsenland.

Der letzte Blick vor Sonnenuntergang

Annweiler · Oktober · Abend · 7 Min.

Langer Horizont, kurzer Abstieg im schwindenden Licht. Die Etappe ist Tag 5 der Fünf-Tage-Route.

Nebel, der im Tal noch dicht ist, kann auf der Platte bereits zerrissen sein. Deshalb lohnt es sich, nicht am Morgen abzubrechen, nur weil die Gasse grau wirkt. Umgekehrt ist eine klare Mittagsstunde auf dem Fels oft flach: wenig Schatten, wenig Farbe, viel Wärme. Die Tabelle nennt deshalb Uhrzeiten und keine Rangfolge der Orte. Wer unsicher ist, nimmt die kürzere Kante bei Dahn und spart die längere Höhe bei Annweiler für einen Tag mit stabilem Licht.

Die Öffnung gehört in einen ganzen Weg

Ohne den Wald davor wäre die Platte nur eine Terrasse.

Zuerst das Tal lesen