gritflytrin Pfälzerwald · Sandstein & Wege

Dahn · Wasgau

Das rote Herz des Pfälzerwaldes

Um Dahn steht der Buntsandstein so dicht, dass der Wald immer wieder von Wänden unterbrochen wird. Das Dahner Felsenland ist kein einzelner Gipfel, sondern ein Feld aus Türmen, Graten und schmalen Durchgängen.

Mehrere Sandsteintürme über dem geschlossenen Kronendach des Dahner Felsenlandes

Wie die Türme stehen bleiben

Der Wasgau-Buntsandstein ist nicht überall gleich hart. Dünne, kieselig gebundene Lagen widerstehen der Abtragung länger als die weicheren Sandlagen dazwischen. Wasser folgt den Klüften, Frost weitet sie, und am Ende bleibt ein Turm, wo eine Bank dicker war. An vielen Wänden sieht man Wabenverwitterung: kleine Höhlungen, in denen sich Feuchte hält, während die Außenhaut des Steins durch ausgefälltes Bindemittel etwas fester wird.

Bekannte Körper in diesem Feld sind unter anderem der Jungfernsprung, die Gruppe Braut und Bräutigam und weitere Türme auf den Höhenrücken südlich und östlich von Dahn. Ihre Eigennamen helfen bei der Orientierung, das Gelände selbst folgt einem einfacheren Muster. Man steigt aus dem Tal der Wieslauter durch Buchen und Kiefern, quert eine Blockhalde, trifft auf Stufen, die in den Fels gearbeitet sind, und steht nach einem kurzen, steilen Stück auf einer Platte. Der Höhenunterschied eines solchen Anstiegs liegt oft bei 80 bis 180 Metern, nicht bei alpinen Zahlen. Die Wirkung kommt aus der Senkrechten direkt neben den Bäumen.

Burgruinen sitzen auf einigen derselben Felsen, weil der Stein schon immer eine hohe, trockene Kante bot. Für diesen Leitfaden bleiben sie eine dünne kulturelle Schicht. Die Mauern erklären nicht die Klüfte, und die Klüfte erklären den Weg. Wer die Oberfläche aus der Nähe lesen will, findet die Farben und die Nässe im Text über Sandstein und Licht.

Der Fels verschwindet im Wald – und taucht hinter der nächsten Kurve wieder auf.

Im Pfälzerwald verändert sich die Landschaft mit jedem Weg: dichter Wald, roter Sandstein, stille Täler und plötzlich ein weiter Blick über die Baumkronen. Im Dahner Felsenland ist dieser Wechsel nur kürzer. Manchmal liegen zwischen zwei Türmen kaum zehn Gehminuten Hochwald.

Eine gute Tour hier ist keine Sammlung von Gipfeln, sondern eine Folge von Engstellen und Öffnungen.

Der praktische Zugang bleibt das Tal. Von Dahn aus führen markierte Pfade in wenigen Minuten aus den Gassen in den Hang. Man sollte den ersten Turm nicht mit dem ganzen Feld verwechseln: Hinter ihm liegt oft noch ein Sattel, dann eine zweite Wand, dann wieder Kiefern. Wer umkehrt, sobald die erste Platte erreicht ist, hat den Kern gesehen, aber nicht verstanden, wie dicht er ist. Zwei bis drei solcher Öffnungen an einem Tag reichen. Mehr wird zur Liste und nimmt dem Stein die Pause, die der Wald dazwischen gibt. Wasser und eine warme Schicht gehören trotzdem in den Rucksack, weil die Platte zieht und das Tal auf dem Rückweg bereits schattig sein kann.

Drei Maßstäbe, ein Stein

Panorama

Das Feld

Mehrere Türme über einem geschlossenen Kronendach. So erkennt man, dass das Felsenland eine Zone ist und nicht ein einzelner Aussichtsfelsen.

Wand

Die Senkrechte

Eine Wand füllt das Blickfeld. Schichtung, vertikale Risse und der dunkle Fuß unter den Bäumen werden wichtiger als der Horizont.

Makro

Die Haut

Körnung, Waben, Moos in der Fuge. Aus diesem Abstand erklärt sich, warum der Stein nach Regen dunkler und schwerer wirkt.

Wer einen ganzen Tag in diesem Feld gehen will, nimmt die lange Etappe aus dem Fünf-Tage-Weg. Wer nur die Höhe sucht, steigt gezielter zu den Platten über den Kronen.

Weiter in die benachbarten Täler

Hinter dem roten Kern werden die Wege wieder zu Bächen und Forststraßen. Dort ändert sich das Tempo.

Wälder und stille Täler